Endlich mal meistern

Nach zwei Jahren Ankündigungszeit habe ich es nun endlich geschafft eine eigene Rollenspielrunde aufzubauen; mit mir als Spielleiter.
Endlich darf ich die Geschichte bestimmen, den Helden Steine in den Weg werfen und mit den Schurken diverser Welten die Weltherrschaft planen. Endlich sitze ich am längeren Hebel. Endlich bin ich dafür verantwortlich, dass die Spieler Spaß haben.
Warte… da passt was nicht…

Meine Rollenspielkarriere fing in meiner Jugend an, als mein großer Bruder DSA mit seinen Freunden spielte. Das wollte ich auch machen. (Damals war alles cool, was mein großer Bruder gemacht hat.) Mein Bruder hat mir sogar ein eigenes Abenteuer geschrieben und ich durfte auch mal in seiner Runde mitspielen. (In der ich natürlich einen totalen Anfängerfehler gemacht habe. Jugendzeit und so.) Da lag der Gedanke nicht fern das mit meinen Freunden auch zu machen.
Das ging total in die Hose und meine Meisterkarriere war erst mal zu Ende.
Rollenspiele blieben aber ein Teil meines Lebens und ich war tierisch froh, als ich am Anfang meines Studiums sogar eine Gruppe fand, mit der ich DSA spielen konnte. Und irgendwann fand sich mein Weg auch zum Freiburger Rollenspiel Stammtisch. Immer mehr Systeme lernte ich kennen, ging (und gehe immer noch) auf Rollenspiel-Cons, entwuchs der DSA-Welt und fand sogar zum LARP.
Aber lange Zeit war ich nur Spieler.

Der Gedanke, doch noch mal das Meistern zu probieren, sollte sich ganz langsam wieder in mein Hirn schleichen. So langsam, dass ich es mir erst gar nicht zutraute. Als Meister muss man doch soviel vorbereiten und weil Spieler nun mal so sind, wie sie sind, dann doch alles improvisieren und dann will man ja auch gut meistern!
Irgendwann fand sich aber auf ner Con ein System, dass so toll war (weil lustig, nicht weil tolles System), dass ich mit meinen Freunden spielen wollte. Es war ein relativ kleines System, ich musste also nicht all zuviele Regeln lernen. Wenn ich es mir so bedenke, ist das ein super Einstieg. Lustiges Spiel, wenige Regeln.
Es handelte sich dabei um „Monster aus der Spätvorstellung“. Kein System für ernsthafte Kampagnen, aber sehr, sehr lustig.
Mein erstes, richtiges Meistern verlief dann auch super. Ich hatte viel zu viel vorbereitet. Aber meine Spieler hatten Spaß und auch keine große Kritik an mir.
(Das gute an Monster war auch, dass ich teilweise auch Spieler war (ich spielte nämlich die Regie) und somit selbst ein bisschen mitspielen konnte.)
Weitere Runden und Filme sollten folgen, sodass ich mich mit dem Meistern an sich gut anfreunden konnte.

Und es gefiel mir. Sehr. Obwohl man als Meister per Definition die meiste Arbeit hat.
Der nächste Schritt war der eine längere Runde aufzubauen mit einer Kampagne, die nicht pausenlos Slapsstick erfordert.  Was ernsthaftes also. Diverse Dinge hielten mich aber davon ab, dass weiter zu verfolgen. Ein Grund war sicherlich auch, dass ich unsicher war. Man hat ja auch Ansprüche, die man erfüllen will (wie eine geile, mit vielen Twists und coolen Plot gefüllte Geschichte zu spielen, die natürlich Oskar verdächtig ist).
Aber dann bekam ich das Doctor Who Rollenspiel und ich wusste, dass würde ich meistern!
Die Ansprüche standen immer noch im Raum, aber ich hatte einige Zeit mir zu überlegen was ich spielen wollte. Und als mir das klar wurde und andere Sachen auch klarer waren, da machte ich mich auf die Suche nach Spielern und fand sogar welche. Einer Kampagne stand nichts mehr im Wege. Und jetzt bin ich also Meister einer kontinuierlichen Runde.

Das ist toll.

Und ein vollkommen anderes Spielerlebnis.
Meine Ziele sind anders. Meine Vorbereitungen sind anders. Mein Spielabend ist anders. Während meine Spieler nur überlegen, was ihr Charakter machen will, muss ich mir überlegen was alle NPCs machen. Während sie nur auf ihre Umwelt reagieren, muss ich mir überlegen, wie diese Umwelt aussieht. Ich muss (noch) Regeln nachschlagen, ich muss improvisieren, ich muss ständig überlegen, was als nächstes passiert.
Teilweise stockt das Spiel etwas. Meistens, weil ich was nachschlagen muss. Oder ich muss überlegen, wie es weiter gehen soll. Dann lass ich es sogar zu, dass meine Spieler abschweifen. Als Spieler würde ich so ein Verhalten nicht gut heißen. Als Spielleiter zwar auch nicht, aber gleichzeitig begrüße ich die kurze Pause.

Als Spieler will ich Spaß haben. Als Spielleiter will ich, dass meine Spieler Spaß haben und eine coole Geschichte erleben. Das sind zwei sehr unterschiedliche Dinge.
Ich bin gerne Meister, aber ich frage mich, und das ist eine sehr faszinierende Diskrepanz in meiner Wahrnehmung, warum ich eigentlich Meister sein will.

Ich weiß es noch nicht.

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Der Einstieg

Der erste Eintrag. Was schreibt man da? Warum ich diesen Blog erstellt habe, könnt ihr bei „Das Worüber“ nachlesen. Sollte ich also gleich ins volle gehen und meinen ersten Artikel über mein Leben schreiben?
Oder lieber doch einen seichten Anfang machen, damit ihr nicht ganz so überrumpelt werdet. Vielleicht einen kleinen Rückblick und danach einen kleinen Ausblick.

Dies ist nicht mein erster Blog. In der Zeit, in der ich in Japan wohnte, habe ich bei LiveJournal über meine Erlebnisse dort berichtet. Nachzulesen hier.
Obwohl die Ereignisse sich häufiger überschlagen haben und meine Einträge für viele viel zu lang waren, hat es mir doch einigen Spaß gemacht. Und außerdem ist es schön die Sachen selber nach einigen Jahren nachzulesen und sich zu erinnern, wie es damals war.

Ich möchte für mich hier Dinge festhalten, die mir persönlich wichtig sind, Dinge, die mich beschäftigen, Dinge, die mein Leben ausmachen. Und ich mache das öffentlich, weil ich mich mitteilen will, weil ich Antworten auf Fragen, die mein Leben bestimmen, will, weil ich zeigen will, dass es mich gibt.

Ganz einfach, oder?