Larp! Larp?

Ich mache Larp, oder auch LARP, oder L.A.R.P., je nach dem was man bevorzugt. Alles nur eine Abkürzung für Live Action Role Play, oder auf Deutsch: Live-Rollenspiel.

Aber was ist eigentlich Larp?
Erst sollte ich vielleicht kurz erklären, was ein Rollenspiel ist.
Bei einem Rollenspiel übernimmt man eine bestimmte Rolle, den Charakter, der in einer (meist) fiktiven Welt sog. Abenteuer erlebt. Dabei hängt es von einem selbst ab, wie das Abenteurer ausgeht, denn alle Handlungen des Charakters bestimmt man selbst.

Larp ist eine Form des Rollenspiels, bei dem man physisch seinen Charakter darstellt. Oder einfach gesagt, man verkleidet sich, so, mit allem drum und dran, und spielt dann real den Charakter, den man sich vorher ausgedacht hat.
Was für einen Charakter man spielt, ist jedem freigestellt (theoretisch). Man kann den klassischen Krieger spielen, oder einen Heiler, oder einen schusseligen Zauberer, oder einfach nur einen Bauern, oder das Milchmädchen, das von zuhause weggelaufen ist, weil sie den Knecht nicht heiraten wollte, oder die schöne Elfe, oder den Alchimisten, der dauernd irgendwas explodieren lässt, oder das exotische Katzenwesen, oder was fieses Böses, das den Guten den Tag vermiest, oder einen Riesen, oder die intrigante Edeldame, oder den unberechenbaren, aber kampfstarken Ork, oder den gewieften Händler, oder…
Ihr seht, die Liste ist endlos. Charakterkonzepte gibt es soviele wie es Spieler gibt.

So, hätten wir den gröbsten Theoriekram geklärt. Wer es genauer wissen möchte, könnte diesem wunderschönen Link folgen^^

Aber, warum eigentlich Larp? Was ist das tolle daran? Warum ver(sch)wende ich Zeit und Geld für so ein komisches Hobby? Warum renne ich in seltsamen Klamotten durch den Wald, lasse mich von Orks ausrauben und fange an zu heulen, weil eine Puppe aus dem Fenster geworfen wurde?

Weil es Spaß macht!
Sehr sogar.
Ich treffe auf Larpcons (so nennt man die Veranstaltungen) immer wieder viele nette Leute, mit denen man zuerst einmal eine schöne Zeit verbringt. Dann kann ich mit meinem Charakter vielleicht auch eine spannende Geschichte erleben, etwas aufregendes, interessante, etwas, das ich im „normalen“ Leben nie erleben würde. Im Larp kann ich wirklich das berühmte Burgfräulein spielen, oder die selbstbewusste Piratin, oder einfach nur die allseits geliebte Schankmaid, von der man gerne den Met eingeschänkt bekommt.
Ich kann alles sein, was ich spielen kann, und ich erlebe Geschichten.
Ich liebe Bücher, ich lese sehr viel, und wenn ich lese, darf man mich auch nicht stören! Wenn ich lese, kann ich mich sehr gut in die Geschichte hineinfinden.
Beim Larp bin ich, wenn auch nur ein kleiner, Teil der Geschichte und kann die Geschichte mitgestalten. Meine Handlungen werden von der Geschichte bestimmt, aber meine Handlungen bestimmen auch die Geschichte. Und am Ende weiß man nicht, wie das Ende eigentlich aussieht. Ob man den Schatz gefunden hat und das Dämonentor geschlossen, oder ob der Geliebte nicht doch hingerichtet und man selber ins Kloster verdammt wird.
Ich kann jemand sein, der ich sonst nicht bin. Ich kann nicht jeden Charakter spielen, den ich interessant finde. Ich werde nie eine Elfe spielen. Einfach, weil ich nicht die Statur dafür hätte. Ich werde nie eine schwertschwingende Kriegerin spielen, weil ich aus diversen Gründen nicht kämpfe im Larp. Ich werde wohl auch nie die größte Intrigantin, oder Anführerin, oder Diebin spielen. Das sind interessante Rollen, aber ich habe für mich gemerkt, dass sie nichts für mich sind. Ich würde mich in diesen Rollen nicht wohl fühlen, und sie nicht so spielen, wie ich sie gerne spielen würde. Dafür kann ich anderes, und damit kann man schon sehr viel Spaß haben.
Ich denke schon, dass meine Charaktere mit der Zeit wachsen werden und ich mit der Zeit auch (schau)spielerisch mich soweit weiter entwickel, dass ich irgendwann Rollen spielen werde, die mir jetzt noch zu anspruchsvoll erscheinen. Darauf bin ich wirklich gespannt, und ich freue mich drauf. An Herausforderungen wächst man, und man kann seine Grenzen wieder neu stecken.

Aber bevor es hier noch zu philosophisch wird, zurück zu den Gründen, warum ich überhaupt larpe. Zu einem ziemlich wichtigen Grund sogar.
Ich darf mir schöne Kleider nähen! Oder einfach nur, ich kann Sachen nähen, und mir schöne Dinge ausdenken.
Ich nähe, ich nähe gerne, aber für den Alltag viel zu wenig. Ich brauche einen triftigen Grund, denn ohne komme ich kaum über den Status „Idee“ oder vielleicht mal „Stoff gekauft“ hinaus. Aber beim Larp hat man eine Deadline. Zum nächsten Larpcon muss das ja alles noch fertig werden. Sonst hat der Charakter ja nichts zum anziehen und es wird kalt.
Ich bin gerne kreativ, ich sticke gerne, ich denke mir gerne schöne Kleidung, die sog. Gewandung aus, ich trage sie gerne. Ich kann nicht genug Gewandung haben. Ich LIEBE Stoffe. Meine Näh- und Stoffsucht wird durch Larp befriedigt. Ich stelle Dinge mit meinen eigenen Händen her. Ich kann stolz auf diese Dinge sein.

Und noch ein wichtiger Grund, weshalb ich larpe, sind die Leute. Man trifft so viele Leute, und die meisten sind einfach nur nett und man kann sich total gut mit ihnen verstehen. Mit manchen dann zwar vielleicht nur das Wochenende über, aber der ein oder andere kann auch zu einem guten Freund werden. Die, mit denen man nicht so gut kann, ignoriert man dann halt. Es gibt genügend andere, mit denen man feiern kann.
Und gefeiert wird ordentlich. Und jetzt mal ehrlich, wer feiert nicht gerne? 😉

Ich larpe gerne, und ich hoffe, dass ich noch ganz lange larpen werde. Es ist mitunter ein teures Hobby, aber jeden Cent wert. Und ich freue mich immer wieder auf die nächste Con.

Alles, was ich hier zu Larp geschrieben habe, gehört zu meinem Larp. Mein Larp ist anders als das Larp von anderen Leuten. Manchmal ist es ähnlich, manchmal nicht. Was für den einen ein No Go im Larp ist, ist für den anderen vielleicht gang und gäbe. Da muss man sich arrangieren, oder nicht mehr miteinander spielen. Larp ist nicht gleich Larp. Das sollte man sich merken. Aber vorallem soll Larp Spaß machen, denn Larp ist ein Hobby, nicht mehr. Aber ein Hobby kann ja schon ziemlich viel sein. Und Larp ist definitiv viel.

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