Der 30C3 Rückblick – Ein Nachtrag

Was ich noch vergessen hatte zu erzählen:

  • Das fast alles überspannende Thema bzw. die Person war natürlich Edward Snowden und seine NSA-Enthüllungen. Er war auf dem 30C3 einfach omnipräsent.
    Glenn Greenwald hat eine sehr spannende Keynote zu der ganzen Sache gehalten.
  • Photoparanoide Hacker:
    Man durfte ohne vorher die Erlaubnis eingeholt zu haben keine Personen fotografieren.
    Ich finde das ja etwas übertrieben. Ich wurde dann einmal sogar gefragt ob man meine Rückansicht mitfotografieren dürfe.  Aber gut, muss man respektieren. Respektiere ich ja auch. Auch wenn man dadurch keine wirklichen Momentaufnahmen mehr machen kann.
    (Ich erwähne nur zur Vollständigkeit halber, dass man sich auf jeden Fall immer die Erlaubnis zur Veröffentlichung einholen sollte, bevor man Bilder von anderen Leuten veröffentlicht. Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit.)
Advertisements

Mein erster Kongress – Ein Rückblick auf den 30C3

Mit Kongress meine ich die Veranstaltung vom CCC (Chaos Computer Club), die jedes Jahr zwischen den Jahren stattfindet und auf der sich diese technikaffinen Leute treffen. Manche sagen auch Hacker.

Ich bin technikaffin, aber eigentlich habe ich keine Ahnung von Computern und Netzwerken und diesen ganzen Kram. Ich würde das gerne können, aber ich kann es nicht. Vielleicht kam es mir deshalb nie in den Sinn, dass der Kongress auch interessant für mich wäre.
Ich wurde eines besseren belehrt.
(Leider wurde ich trotzdem nicht zu einem Computerexperten über Nacht.)

Dies hier soll mein persönlicher Rückblick auf den 30C3 werden. Ich habe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit oder Relevanz.

  • Tag 0

Schon bevor der Kongress richtig anfängt, kann man in die Räumlichkeiten. Das gibt vor allem den Gruppen, die ihre Projekte vorstellen wollen, die Gelegenheit ihre Sachen aufzubauen (dabei handelt es sich um die regionalen Chaos Computer Clubs; Gruppen, die sich für gesellschaftliche und/oder politische Dinge engagieren; oder Gruppen, die einfach zeigen wollen, was sie so mit Technik machen).
Ich hatte dadurch die Gelegenheit mich mit den Räumlichkeiten erneut bekannt zu machen.
(Der 30C3 fand im CCH in Hamburg statt. Vor anderthalb Jahren war ich da zum ersten Mal. Aber damals liefen mehr Schlipsträger rum. Und es hatte ein vollständig anderes Feeling.)

Das CCH ist recht groß und teilweise ziemlich verwinkelt. Aber sowas mag ich. Trotzdem habe ich mich, obwohl der Kongress noch gar nicht richtig angefangen hatte, fremd gefühlt. Wie das It-Girl unter den Nerds. (Nicht, dass ich ein It-Girl bin oder mich so sehe.) Was wollte ich hier? Die meisten Vortragstitel klangen nach Bahnhof für mich und auf meinem Computer läuft Win 8. Die schmissen mich doch raus, wenn die das raus finden würden.
Zum Glück traf ich mich abends mit einem Freund, der schon ein paar Mal auf dem C3 war. Mit dem bin ich erstmal essen gegangen und auf dem Weg zu einem Restaurant sind wir an einem Comic- und an einem SciFi-Laden vorbei gekommen. Da fühlte ich mich besser. Davon verstand ich was. Außerdem hat mich mein Freund beruhigt und mir all meine Noobfragen beantwortet.

Das Lustigste an dem Tag war, dass ich das Gesicht zu einer Stimme gesehen habe, die ich sonst nur aus einem dieser ganzen Podcast kenne, die ich so höre. Das ist schon seltsam. Das sollte mir übrigens noch mal passieren und da passte das gesehene Gesicht nicht zu dem, was ich in meinem Kopf hatte.

  • Tag 1

An Tag 1 wollte ich unbedingt die Eröffnung von Tim Pritlove sehen. (An Tag 1 ist das noch schaffbar so früh zum Kongress zu gehen, je später der Kongress, desto später die Eintreffzeit im CCH. Jedenfalls bei mir.)
Tims kurze Rede hat den Grundstein für den Rest gelegt. Nach einem ziemlich coolen Eröffnungsvideo hat er in wenigen Worten zusammengefasst, wie sich die Netzszene wohl fühlt. Es war eine Mischung aus ‚Ach du Sch…‘ und ‚Lass uns was tun‘. Und dieses Gefühl durchzog sich durch den ganzen Kongress.

Als ersten Vortrag habe ich mir die Seidenstraße angeschaut. Die Seidenstraße war ein Rohrpostsystem, das durch den ganzen CCH verlief und mit dem man PET-Flaschen mittels Staubsaugern verschicken konnte. Ziemlich abgefahrene Sache. Eigentlich wollte ich auch eine Seidenstraßentaugliche Flasche bauen, aber mir fehlten leider die LED-Lichter. Die waren nämlich nötig fürs Debuggen, wenn die Flasche mal fest hing.
Während des ganzen Kongress‘ sah man immer wieder Trauben von Leuten an den jeweiligen End- bzw. Zwischenstationen, die die Seidenstraße benutzten.

Es hat sich herausgestellt, dass ich mehr Vorträge als gedacht angeschaut habe. Wo ich noch dachte, dass höchstens drei Vorträge ganz interessant für mich wären, waren es an Tag 1 schon mehr als ich sehen konnte. (Weil es ja nicht nur einen Vortragssaal, sondern vier gab.) Insgesamt habe ich an Tag 1 sieben Vorträge gesehen plus das Hackerjepardy.
Und zwischendurch bin ich einfach nur durch das ganze CCH gelaufen und habe diese coolen Sachen bestaunt, die da aufgebaut waren.

  • Tag 2

Tag 2 fing an mit zwei (für mich ) uninteressanten Vorträgen. Auch das kann passieren.

Danach habe ich erstmal mein Hacklace gelötet. Gelötet habe ich schon vorher einmal, aber das Hacklace schon ziemlich friemelig. Zumal die Lötkolbenspitze sehr dick war im Vergleich zu den Lötstellen. Aber ich habe es hingekriegt und ich bin ziemlich stolz darauf.

Nach dem Löten gab es Theater. Richtiges Theater. Mit richtigen Schauspielern und so. Zum Thema Verfassungsschutz.
Mir wurde eine Zusammenfassung von all den bekannten (!) Machenschaften des Verfassungsschutzes im Bereich der rechten Szene gegeben.
Raus gegangen bin ich mit einem sehr großen Knoten im Magen. Was unserer innerer Geheimdienst da in den letzten Jahrzehnten angestellt hat ist einfach nur erschreckend. Wie können diese Leute eigentlich noch ruhig schlafen?

Der Vortrag „Bullshit made in Germany“ über vier „innovative“ Produkte aus Deutschland war nicht weniger erschreckend. Dafür aber super vorgetragen. Man hat viel gelacht. (Weil Lachen manchmal die einzige Reaktion ist, die man noch haben kann.)

Für den Jahresrückblick des CCC war ich eigentlich viel zu müde, aber ich habe ihn mir trotzdem angeschaut. Sehr interessant, woran die so alles beteiligt sind. Der CCC ist sicher einer der Vereine, den die Gesellschaft braucht.

Am Ende des Tages verstand ich die wahre Bedeutung des Wortes ’schlaftrunken‘.

  • Tag 3

Am nächsten Tag hab ich dann erstmal ausgeschlafen. Also, ich wollte ausschlafen. Eine heimtückische Heizung hat das allerdings verhindert. Da gibt es nur eins, Mate…
Die war allerdings am Tag vorher ausgegangen. Aus diesem Grund gab es nur noch Flora Power, auch ein Mate-Getränk. Das schmeckt mehr nach Tee als die Club Mate. Ich mag die Club Mate lieber.

Als nächstes stand dann das Programmieren meines Hacklaces auf dem Plan. Das hat länger gedauert als gedacht. Wegen dem Win 8 auf meinem Rechner. Ich bin ja bisher einigermaßen gut mit Win 8 zurecht gekommen (auch wenn es absolut nicht mehr intuitiv ist und einige Sachen kann man gar nicht mehr finden), aber seit dem mag ich Win 8 nicht mehr.
Ich geb ja zu, ich habe bisher kein anderes OS ausprobiert. Ja, ich könnte Linux auf meinen Rechner spielen. Irgendwie würde ich das bestimmt hinbekommen. Aber ich glaube, ich bin einfach zu faul. Ich habe mein Leben lang (und das ist nicht übertrieben) Windows als Betriebssystem gehabt. Ich kenne mich damit aus. Jedenfalls soweit, dass ich damit klar komme. Und meistens brauch ich ja gar nichts daran ändern.

Ach, kommen wir einfach wieder zum 30C3 zurück. Ich weiß eh nicht so recht, was für einen Punkt ich machen wollte.

Nach dem schließlich erfolgreichen Programmieren meines Hacklaces kam das Bad im Verpackungsteilebad. Inklusive Mate, Verlieren des Handys, Suchen des Handys und Finden eines anderen Handys.
(Meins kam auch wieder zum Vorschein. Ich wusste ja wo es war.)
Das war lustig.
Das Verpackungsteilebad wurde nach einer Weile ziemlich warm.

Am Abend durfte ich dem Radiorollenspiel lauschen. Das war eine sehr unterhaltsame Veranstaltung.
Ich hatte schon vorher davon gehört, konnte mir aber nicht wirklich vorstellen, dass sowas klappt. Aber es funktionierte super. Nur die Spieler standen manchmal auf dem Schlauch. Vielleicht, weil sie nervös waren.
Spieler machen manchmal komische Sachen.

Später gab es dann noch die Fnord News Show.

  • Tag 4

Die Tage zollten ihren Tribut und ich habe am Tag 4 endlich einmal ausgeschlafen. Beziehungsweise ich lag länger als geplant im Bett. Eigentlich wollte ich ja um 11:30 einen Vortrag hören, aber das wollte mein Körper nicht.
(Warum muss man eigentlich schlafen? Könnte man diese Funktion für solche Veranstaltungen wie den Kongress nicht einfach abschalten?)

Am letzten Tag habe ich nicht mehr viel gemacht. Ich bin über den Kongress gelaufen, hab mir nette Sachen angeschaut, noch zwei Vorträge gesehen (einen vom ehemaligen Bundesdatenschutzbeauftragten, empfehlenswert) und bin abends total fertig zurück gefahren.
Der Plan im Zug zu schlafen hat nicht funktioniert. Wahrscheinlich war ich, trotz meines Fertigseins, von so vielen Eindrücken, Informationen und neuen Erfahrungen derart geflasht, dass mein Kopf damit erstmal klar kommen musste.

Ich habe Silvester verschlafen. Und den 1. Januar. Weil ich dermaßen fertig war. Aber trotzdem habe ich keine Sekunde auf dem Kongress bereut.

Der Kongress ist keine Veranstaltung nur für Technikfreaks und Computernerds. Er behandelt eine weite Palette an Themen und ist informativ, spektakulär und noch vieles mehr, für das ich grad keine Worte finde. Alle Leute, mit denen ich zu tun hatte (das waren jetzt nicht so viele, aber immerhin), waren nett und hilfsbereit und ich kann nur jedem empfehlen sich einmal den Kongress anzuschauen. Selbst wenn man kein Computernerd ist.

Einiges von dem, was ich machen wollte, habe ich trotz der vier Tage nicht geschafft. Das hatte mehrere Gründe. Aber das nehme ich einfach als Anlass noch mal hinzugehen.

Ich habe bestimmt etwas vergessen zu erzählen und die Stimmung, die ich bei dem Besuch des Kongresses hatte, habe ich, wenn überhaupt, nur ansatzweise rüber bringen können. Es ist auch schwer zu beschreiben, weil jegliche Beschreibung nur eine Beschreibung ist und damit nur unzureichend das Gefühl rüber bringen kann. Obwohl man sich nicht kannte, hatte es etwas gemeinschaftliches. Es war eine Art Idealgesellschaft. Nicht, weil sie ideal war. Sondern, weil man sich so eine Gesellschaft als Ideal setzen sollte.
Es wird stark darauf Wert gelegt, dass keiner diskriminiert wird. Es wird stark darauf Wert gelegt, dass es ein freundliches Miteinander gibt und kein Gegeneinander. Es kommt nicht darauf an, dass jeder sich riechen muss, sondern dass jeder jeden anderen respektiert.
So ist meine Einschätzung jedenfalls.