Hilfe, ich bin ein Mädchen

Natürlich bin ich ein Mädchen, sogar schon seit meiner Geburt, mindestens. Das ist es nicht. Es ist eher das Verhalten, das Mädchen an den Tag legen, das ich plötzlich (eben gerade) an mir selbst beobachte.

Heute morgen bin ich um zwanzig nach sieben aufgestanden. Das ist für einige schon mitten am Tag, für die andern noch mitten in der Nacht. Bei mir eher letzteres. Normalerweise stehe ich eine Stunde später auf, um ungefähr um neun auf der Arbeit zu sein.
Es gab auch einen Grund, weshalb ich mich heute so viel früher aus dem Bett gequält habe (und eine Qual ist es irgendwie fast jeden morgen, ich hab den Dreh noch nicht so ganz raus), ich hatte mich für ein Feuertraining angemeldet. Mein Arbeitgeber ist nämlich eigentlich ziemlich cool. Der veranstaltet regelmäßig verschiedene Schulungen, wie Erste-Hilfe-Kurse oder Fahrsicherheitstrainings. Oder eben auch ein Feuertraining. Da lernt man nicht, wie man am effektivsten ein Feuer legt, sondern wie man es löscht. Logisch irgendwie. Und da mein Chef sagte, macht das, das macht Spaß, und ich noch nie einen Feuerlöscher in der Hand hatte (wer hatte von euch schon mal einen in der Hand? Na? Na? Seid ehrlich^^) habe ich mich da mal angemeldet.
(Ich hätte bei der Anmeldung vielleicht erwähnen sollen, dass ich nicht unbedingt in die erste Gruppe um halb neun wollte…)
Erstmal gabs ne Stunde Theoriegelaber. Eigentlich ja ganz interessant, wenn das nicht meistens bei einem Ohr rein geht und bei dem andern raus (und ich glaube nicht, dass ich da alleine bin mit der Einstellung). Zuviele Informationen in zu kurzer Zeit, das kann man sich auch gar nicht merken. Immerhin weiß ich jetzt was A, B und C bei Feuerlöschern heißt, und ich hoffe inständig, dass wenigstens dieses Wissen in meinem Kopf bleibt.

Nach der Theorie kam natürlich die Praxis, und in mir stieg eine leichte Ahnung auf, dass ich vielleicht doch nicht so tough (für weniger englischkundige: zäh, robust, knallhart) bin als ich immer von mir dachte.
Die erste Übung war diese Sicherheitsscheibe von den kleinen roten Kästchen einzuschlagen, den Knopf dahinter zu drücken, um im Notfall die Feuerwehr damit zu rufen. Und schon da habe ich mich gefragt, wieviele Schläge ich brauchen werde. Wir durften Hilfsmittel benutzen und bei mir kam ganz unbesonnen die Plastikhülle meiner Mitarbeiterkarte zum Einsatz. Es ging der Reihe nach und ich stand irgendwo in der Mitte. Als ein, zwei vor mir schon mehrere Versuche brauchten, war ich schon etwas beruhigt, ich hätte mich dann nicht mehr blamieren können (was eigentlich ein ziemlich blödsinniger Gedanke ist, so nebenbei gesagt). Dann kam ich dran. Ein Schlag und die Scheibe hatte sich ergeben, Knopf drücken, fertig, Freude. Erstmal beruhigt. Bin anscheinend doch nicht zu schwach um die Feuerwehr zu rufen.

Bei der nächsten Übung kam dann die Erkenntnis. Szenario: brennender Papierkorb. Zur Verfügung stehendes Löschmittel: eine Löschdecke, zwei mal zwei Meter, ergo ziemlich viel größer als ich. Aber wir hatten vorher gezeigt bekommen, dass man die erst kurz vor dem Feuer ausbreitet.
Aber ich wusste schon zu diesem Zeitpunkt, die Übung verpatzt du.
Ich habe tierischen Respekt vor gefährlichen Situationen (ach, wo ist die Leichtsinnigkeit aus Jugendtagen geblieben?), auch wenn sie unter kontrollierten Bedingungen stattfinden. Feuer ist Feuer, basta.
Es kam, wie es kommen musste, eine zaghafte lea stand vor dem brennenden Papierkorb mit nichts in den Händen als dieser übergroßen Decke, die sie darüber schmeißen sollte. Sie schmiß, das Feuer hielt dagegen und gewann. Decke lag halb auf dem Korb, das Feuer prasselte fröhlich weiter, klein-lea wich zurück und traute sich auch nicht mehr hin (als einzige übrigens in der Gruppe). Im Notfall hätte sie dann natürlich die Sicherheitsscheibe des nächsten Drück-mich-ich-bin-ein-angeschlossener-Knopf-und-sage-sofort-der-Feuerwehr-Bescheid-Kasten eingeschlagen und die Feuerwehr gerufen. Hier konnte sie nur was von Selbstschutz stammeln und sich wieder zurück in die Reihe der Gruppe trollen, wahrscheinlich mit leicht geröteten Wangen und dem Wunsch niemals einem wilden brennenden Papierkorb im alltäglichen Leben begegnen zu müssen.

In diesem Moment war ich Mädchen durch und durch. Ich, die ich als kleines Kind auf der Spitze der Zugspitze rumgeklettert bin als wäre es eine Graswiese und damit meinem Vater wahrscheinlich mehrere Herzinfakte bescherrte (seine Worte, oder so ähnliche halt). Ich traute mich nicht, die Decke noch mal hochzuheben und sie mit mehr Schmackes über diesen blöden Korb zu werfen.
Und ich dachte von mir, ich wäre knallhart.

Die Übungen mit den verschiedenen Feuerlöschern gingen dann besser (und sollte jeder mal gemacht haben, damit man weiß, wie sich so ein Feuerlöscher überhaupt anfühlt und man beim Notfall keine Scheu davor hat) und ich habe auch immer das Feuer gelöscht bekommen. (Aber ich glaube auch, dass die das Feuer bei den Frauen nicht so stark angefacht haben, bzw. ich weiß es, ich habe nämlich die Feuerhöhe bei den jeweiligen Mitstreitern beobachtet.)
Und brennendes Fett mit Wasser „gelöscht“ zu sehen (Kinder, macht das nicht zuhause nach) war auch ganz lustig. Ich sag nur: drei Meter hohe Flammensäule. Stellt euch die jetzt mal in eurer Küche vor.

Fazit für mich: Feuertraining war interessant und ist absolut empfehlenswert, ein Feuer löschen will ich trotzdem nie, und wenn dann nur mit Feuerlöscher, Pulverlöscher machen wirklich viel Dreck, ich bin dann doch manchmal ein Mädchen und tu nicht nur so (aber das ist eine andere Geschichte), ich kann eine Scheibe einschlagen und als nächstes werde ich wohl mal den Erste-Hilfe-Kurs mitmachen.

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