Das Leben im November

Draußen ist es kalt und windig. Oder besser gesagt, es ist windig und deshalb kalt. Ein Grund, weshalb ich in den letzten Tagen eigentlich ganz gerne in meinem Büro sitze. Das könnte zwar noch gemütlicher wirken (jetzt mal echt, der schwarze shiny shiny Fußboden sieht zwar ganz gut aus, aber gemütlich ist das anderes; ich will Teppich, ich bin ein Teppichkind), noch ist es immer noch etwas kahl find ich (könnte auch an den hohen Decken liegen, oder daran dass ich meine Räume eher zugestellt toll finde, als groß und weit und ohne Schnickschnack), aber immerhin stehen jetzt schon zwei Pflanzen auf meinem Schreibtisch, sowie Red the One, mein kleiner roter Drache. Ah, und ne lila Kunstblume hab ich hier auch noch stehen.
Auf meinem Schreibtisch herrscht übrigens meistens ziemliches Chaos. Jetzt gerade liegt rechts neben mir ein kleiner Bücherstapel, daneben ein leeres Mandarinennetz. Gegenüber liegt mein Laborbuch und haufenweise Zeug: Kaffeetasse (ich bin grad bei 1 Tasse pro Tag, hauptsächlich, weil Kaffee warm ist), Nano-iPod, leerer Joghurtbecher, Müslischale (ja, ich frühstücke im Büro) Thermoskanne (im Moment leer, manchmal mit Tee oder Brausewasser gefüllt), Portemonnaie, Schere, Stifte, Zeug halt, und überall dann noch lose Blätter. Ich benutze gerne lose Blätter. Ich bin ein Aufschreib-Typ.
Etwas chaotisch alles, aber so bin ich halt. Wenn es zuviel wird, wird auch mal was weggeräumt. Ein großer Schreibtisch ist übrigens gar nicht so verkehrt. Mein Kleiner zuhause ist ja doch ganz gern mal schnell zugestellt mit so Nähmaschinen und so. Kennt man ja.

Hatte ich schon erwähnt, dass Ende November ein Bericht ansteht über die letzten Monate und was ich da alles gemacht habe? Der ist übrigens schon fast fertig, jedenfalls die erste Fassung. Es fehlen noch ein paar Ergebnisse, aber das wissen die verantwortlichen Personen schon.
Das Schreiben von solchen Berichten ist ja gemeinhin nicht gerade beliebt (einen Keks für jeden, der sowas mag). Auf jeden Fall ist es nicht bei mir beliebt. Denn, wo fängt man an, was schreibt man, wie schreibt man es. Warum muss ich verdammt noch mal Word benutzen und damit meine Gesundheit aufs Spiel setzen, wo das doch genauso toll mit Latex geht?
Ja, ich muss den Bericht mit Word schreiben, Chef will das so. Chef hat sogar Gründe, die ich nachvollziehen kann. Ich würds trotzdem anders machen. Den Ärger, den ich bisher mit Word hatte (und ich hatte viel Ärger damit!) wird nicht durch die Vorteile in Word kompensiert, geschweige denn bei weitem wett gemacht.
Aber da ich das nicht ändern kann, musste ich mich mit Word also abgeben. Ich sag es mal so, Freunde werden wir nie, aber wat mut dat mut. Ich habe mich damit abgefunden, auch wenn ich den Bericht viel lieber mit Latex schreiben würde. Schließlich ist Latex für soetwas konzipiert. Ach, ich will mich schon wieder aufregen.
Ich habe also in den letzten Tagen intensiv an diesem Bericht geschrieben und der ein oder andere Satz, den ich dabei fabriziert habe, finde ich ganz gut gelungen. Mal schauen, was Chef sagt. Bisher war er zufrieden.

Zufrieden bin ich auch mit meiner NaNo-Geschichte.
Hmm, vielleicht sollte ich jetzt mal kurz erklären, was das überhaupt ist. Also, NaNoWriMo ist eine Abkürzung und steht für Nation Novel Writing Month, für alle nicht-englisch sprechenden: Nationaler Roman Schreibmonat. (Na ja, national ist der seit dem zweiten Jahr seines Bestehens schon nicht mehr^^) Das ist eine Aktion aus den USA bei der man in einem Monat einen Roman mit mindestens 50000 Wörtern schreiben soll. In Worten: fünfzigtausend. Das hört sich viel an, ist es auch, aber eigentlich haben Romane viel viel mehr Wörter.
Der Monat ist traditionell immer der November. Das heißt, man hat 30 Tage (in Worten: dreißig) Zeit, um die geforderten 50000 Wörter zu schreiben. Das sind ungefähr 1667 Wörter pro Tag. Und jetzt schreibt mal jeden Tag 1667 Wörter. Jeden Tag! Dreißig Tage hintereinander! Und dann schreibt auch noch etwas, das Sinn macht, also schreibt eine richtige Geschichte, mit Charakteren, Schauplätzen, Dialogen und vorallem Plot!

2006 habe ich das erste Mal von NaNoWriMo gehört (ein paar Tage vor November, also nicht viel Vorbereitungszeit) und gleich mitgemacht. Und was war, ich habe zum ersten Mal eine Geschichte geschrieben, die mehr als nur ein paar Seiten umfasste, und vorallem habe ich sie auch beendet! Am Schluss hatte sie sogar über 70000 Wörter, und davon wurden mehr als 50000 im November geschrieben, so dass ich sogar bei meinem ersten NaNoWriMo gewonnen habe.
Das nächste Jahr war ich in Japan und gab schon nach ein paar hundert Wörtern auf. Ich hatte besseres zu tun. Die letzten zwei Jahre gab es auch immer etwas, das mich davon abhielt, wieder mitzumachen. Aber dieses Jahr habe ich mich zwei Tage vorher mit einer recht wagen Plotidee dazu entschlossen doch weider mitzumachen und ich bin immer noch dabei.
Dieses Jahr ist es nicht so einfach wie 2006, da ich dieses Jahr keine Fantasygeschichte schreibe, sondern eher, hmm, wie schreib ich das jetzt richtig, sagen wir, ernsteres schreibe. Also, eigentlich ist die Thematik dahinter schon ziemlich ernst.  Aber es gibt auch lustige Szenen da drin, oder zumindest lustig beschriebene Szenen.

Ich werde hier nicht viel über die Geschichte selbst schreiben. Die ist nämlich noch nicht fertig. Und im Moment ist auch erstmal nur wichtig, dass ich sie zuende schreibe. Wenn die erste Fassung dann steht, kann ich mich an die Überarbeitung setzen. Und wenn die halbwegs passabel ist, kann ich darüber nachdenken, die Geschichte mal anderen Leuten zu zeigen. Vorher möchte ich einfach nicht zuviel verraten.

Eigentlich dachte ich ja, dass meine Idee nur Stoff für ca. 20000 Wörter liefert, aber dann hat mich der NaNo-Ehrgeiz gepackt und inzwischen bin ich fast bei 40000 Wörtern angekommen. Ist auch gut so, der November ist ja auch nicht mehr so lange. Aber ich denke, dass ich kaum mehr als 50000 Wörtern schreibe. Meine Szenen sind diesmal nicht so lang, keine kam bisher über 2000 Wörter, die meisten erreichen noch nicht mal die 1000er Grenze. Aber eigentlich find ich das gut so. So wollte ich die Geschichte auch schreiben. Viele kleine Szenen, die alle ein bißchen erklären, warum am Ende das passiert, was passiert.
Ich hangel mich jeden Tag am Soll entlang. Manchmal schreibe ich mehr, manchmal weniger. Noch bin ich nicht allzuweit abgeschlagen und kann es schaffen. Ich könnte es natürlich auch schaffen, wenn ich jetzt an einem Tag 10000 Wörter schreibe, oder an zwei Tagen jeweils 5000 Wörter. Aber meine Geschichte braucht Zeit um zu reifen. Ich kann mich bei ihr nicht zwingen, wie es bei anderen Geschichten geht. Okay, ein Bestandteil von NaNoWriMo ist, den inneren Lektor einfach mal in den Urlaub zu schicken (also eben nicht über alles nachdenken, wie man was schreiben will, sondern einfach nur schreiben, überarbeiten kann man dann im Dezember). Aber wenn ich das ganz machen würde, also ohne Sinn und Verstand schreiben würde, würde die Geschichte nicht so werden, wie ich es mir vorstelle, wie sie sein soll. Deshalb kriege ich es auch nicht hin mir einen Vorsprung zu erschreiben. Wahrscheinlich werde ich am 30. November, kurz vor Mitternacht, das 50000ste Wort schreiben und knapp den Sieg verpassen, weil es zu lange dauert meine Wortanzahl zu validieren.^^
Egal, es geht ja um die Geschichte und ich mag die Geschichte. Ich mag vorallem meine Charaktere. Die meisten davon sind einfach nur toll und es macht riesigen Spaß sie zu schreiben, vorallem ihre Dialoge. Ich glaub, ich bin ganz gut in Dialogen schreiben. Da kann ich das sagen, was ich im wahren Leben manchmal nicht sage, weil es dann doch etwas unangebracht ist. Aber dafür sind ja Geschichten da, um etwas zu erzählen, dass man anders nicht sagen kann.

Wenn die Geschichte jemals fertig wird (ich hoffe es sehr), bin ich gespannt über eure Meinungen dazu.^^

P.S.: Da sieht man mal, was NaNoWriMo mit einem macht. in demVersuch so viele Wörter wie möglich zu schreiben, werden selbst Blogeinträge doppelt so lang wie normal.

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