Danielle, Danielle, immer nur Danielle

Ich war am Samstag auf dem Hollandstoffmarkt und habe Stoff gekauft. Brav wie ich war natürlich nur Stoff, der auch auf meiner Stoff-To-Buy-Liste stand. Und bei meinem Lieblingshollandstoffmarkthändler lag dann plötzlich dieses Schnuckelchen. Ein wunderschöner krapporangener, mitteldicker Wollstoff, den ich einfach mitnehmen musste. Daraus würde ich auf jedenfalls etwas schönes zaubern können.
Wie jetzt? Doch ein Stoff, der nicht auf der Liste stand?
Na ja, so ein Stoffkauf dauert ja so seine Stunden. Da kommt man ins Grübeln und Überlegen, und dann geht man zum Händler zurück, befühlt den Stoff, bewundert die Farbe, überlegt und überlegt mit welchem Argument man das selbst auferlegte Gebot nur Stoffe zu kaufen, die schon verplant sind, etwas dehnen kann, guckt noch mal woanders, ob man nicht den schon seit Monaten gesuchten dunkelblauen Wollstoff findet, findet ihn nicht, findet nur einen mittelblauen Wollstoff, findet einen hellblauen Wollstoff, ist mit beiden Farben nicht ganz zufrieden, wollte ja einen Dunkelblauen, steht wieder beim Krapporangenen und überlegt weiter.
Bis endlich der Gedanke des Tages in den Gehirnwindungen erscheint: man nimmt statt dem dunkelblauen, nichtaufzutreibenden Wollstoff einfach den existenten krapporangenen Wollstoff!

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Und schon war ich glücklich.

Neben dem Wollstoff kamen dann noch drei Leinenstoffe in die Taschen. Jeweils 2m von einem weißen und einem hellblauen Leinen für das Höllenfensterwappenkleid und ein halber Meter von einem rostrotorangenem Leinen, als Belegstoff für das nun andersfarbige Tageskleid.

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Alle Stoff sind schon gewaschen. Was jetzt fehlt ist der Schnitt fürs Tageskleid und Bomull als Probestoff. Ich kann ja nicht einfach so losnähen. Die Schnitte wollen alle überprüft werden. Vorallem wenn sich die Schnittquelle als nicht gerade zuverlässig ergeben hat.

Ich denke, ich werde aus den beiden Kleidern ein WIP machen. Ich mag WIPs. Jetzt darf ich nur nicht vergessen Bilder zu machen.

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klein-leas persönliche Hölle

Ich bin neu in der Runde und ich fühl mich etwas unwohl. Ich kenne keinen der anderen, ich weiß nur, dass sie aus dem gleichen Grund hier sind wie ich. Oder besser gesagt wegen dem gleichen Problem. Und wir sind alle hier, damit uns vielleicht jemand hilft. Dabei ist uns gar nicht wirklich zu helfen.
Ich schaue mir die anderen etwas genauer an. Auf den ersten Blick sehen alle ziemlioch normal aus. Viele Hausfrauen sind dabei. Aber auch einige junge Mädchen, und sogar ein Mann.
Man schaut mich an, ich soll mich vorstellen. Ich lächel in die Runde, etwas verkrampft, die Runde lächelt zurück. Ich weiß, die andern werden mich verstehen.

„Hallo. Mein Name ist lea und ich bin stoffsüchtig!“

Puh, jetzt ist es heraus, endlich.
Ich sehe wissendes Nicken und höre Gemurmel, das mir sagen soll, ja, wir verstehen dich, du bist nicht allein, wir fühlen das gleiche.
Ich fühle mich aufgenommen.
Ich erzähle vom letzten Sonntag, vom Tag meiner persönlichen Hölle, die doch so sehr nach Paradies aussieht.
Letzten Sonntag war Stoffmarkt in meiner Stadt, holländischer Stoffmarkt (oder sollte ich besser hölländischer Stoffmarkt sagen?). Ich schwelge kurz in der Erinnerung bevor ich fortfahre.
Soviele Stoffe, aus jeglichem Material, in jeglicher Preislage. Wunderschöne Muster und Farben. Ich erinnere mich an das Gefühl unter meinen Fingern als meine Hand über die Ballen entlang geglitten ist. Das mache ich am liebsten. Fast überall sehe ich etwas, das mir gefällt und Ideen fangen an sich in meinem Kopf zu formen. Wollte ich nicht schon lange diesen eine Rock nähen und wäre dieser eine Karostoff nicht perfekt dafür? Oder dieses schöne Stück bedruckter Köper, daraus könnte man super eine Jacke schneidern, beim anderen Stand habe ich die passenden Knöpfe gesehen. Und für den Preis muss ich diesen Feincord einfach mitnehmen.
Ich fange an zu schwärmen. Von den Wollstoffen, den Seidenstoffen, den Mustern, den Knöpfen. Ich zähle meine Einkäufe auf und was ich daraus machen will. Ich zähle die Stoffe auf, für die ich kein Geld mehr hatte. Ich frage mich, wann ich das alles nähen soll. Ich habe das Gefühl, das in meiner Wohnung mehr unverbrauchter Stoff liegt als genähte Sachen. Aber ich kann nicht aufhören, Stoffe ziehen mich magisch an, ich muss sie haben, ich liebe sie, ich kann nicht mehr ohne. Manchmal kaufe ich mir Stoffe, obwohl ich nicht weiß, was ich aus ihnen nähen soll.
Der Stoffmarkt ist Hölle und Paradies zugleich.
Aber ich weiß, wenn er das nächste Mal in der Stadt ist, werde ich wieder hingehen.

Meine Ausbeute, eher bescheiden diesmal, ich hätte noch ein, zwei Stoffe mehr kaufen können: braun-violetter-gelb gesprenkelter Woll-Baumwoll-Stoff für ein Überkleid, passendes Garn, rote Schnur für Schnürung eines Mieders und dunkelblaugestreifter Stoff mit schwarzem Muster für ein Geschenk einer Freundin