Nachtrag

Ich bin nicht schwanger, der Koch kocht einfach zu gut. Dafür war ich kurzzeitig nicht mehr verheiratet!
Oder, um es genauer zu sagen, man war sich nicht sicher. Habe ich doch im Ehevertrag das falsche Jahresdatum eingetragen. Herr Ulrich meinte sofort, dass ich dann wohl wieder ledig sei. Aber die Zeremonie hatte ja stattgefunden!
Die Frage, was ich denn nun sei, verheiratet oder ledig oder vielleicht sogar ein gemischter Zustand davon, ließ mich nicht los, so dass die Angelegenheit schließlich sogar den anderen hohen Herren vorgetragen wurde.
Zweimal musste ich dabei den Ehevertrag vorlesen. Ich finde ihn ja recht und gut und kann eigentlich gar nicht verstehen, warum die hohen Herren bei bestimmten Passagen gelacht haben. Am Ende sollte ich sagen, ob ich mit dem Andreas überhaupt verheiratet sein will. Zuerst wußte ich darauf nicht zu antworten, aber dann hat mich der Herold wieder daran erinnert, warum ich damals Ja gesagt habe.
Auf meine späte, aber wohl überzeugende Wahl verbrannte der Herr Cataldo den alten Ehevertrag dann!
Dem Eynen sei Dank durfte ich einen neuen aufsetzen, den ich sogar noch ein bißchen rechter finde. Und Andreas muss sich auch wieder nicht an einen neuen Namen gewöhnen.

Noch zu erwähnen wäre das Theaterstück, das uns der Herr Ulrich auftrug vorzutragen. Natürlich spielten wir eine seiner zahlreichen Heldentaten: Die Schlacht um Le Tit und die Reise durch die blutige Klamm zur feuchten Feste. Der Herr Ulrich war sehr erfreut über unsere Wahl.

So langsam gefällt mir das Reisen mit dem Tross doch.
Wenn das Wetter nicht so wechselhaft gewesen wäre. Obwohl dies mitunter ein guter Zustand für meine Studien zum Wetter mit meinem Wetterglas sind.

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Achtzehnter Tag im Innocentiusmond des Jahres 121 n.H.E.

Am gestrigen Tag sind wir bei der abgebrannten Mühle angekommen und nach einem mühsamen Marsch das Lager aufgebaut. Das Sonnensegel schien schon da zerfallen zu wollen, aber für die ersten Abendstunden hielt es zumindest die ärgsten Schauer ab. So sehr ich auch das Lagern im Freien nicht lieb, so genieße ich doch die Abwesenheit meines Mannes.
An der abendlichen Tafel, die wir in der örtlichen Taverne verbrachten, in Gesellschaft des Gefolges der anderen Ritter, gab es ein Nicht-Glücksspiel-Glücksspiel. Claudine gewann dabei Ruhm und Ehr. Und bei den Rittern gab es beinahe stündlich einen anderen Zwist. Ach, und Konrad hatte einen Schinkenlikör dabei. Dem Eynen sei Dank, ich habe nicht davon getrunken.

Der heutige Tag fing spät an, und langsam. Zuerst musste das Gestell des Sonnensegels wieder aufgestellt werden. Das Dach hatte über Nacht und am Morgen zuviel Tiefgang bekommen. Das Frühstück war einfach, aber gut. Todwarth hat sogar ein leckeres Rührei hinbekommen.

Nun sitzen wir, die Mariesch, die Irmlind, eine hohe Dame, Bruder Balthasar, Erisch und ich auf diesem Feld und warten, dass die Schlacht anfängt. Es wird wohl noch etwas dauern.

Sybilla hat angdeutet, dass ich ein Kind in mir tragen könnte…

Zehnter Tag im Weinmond des Jahres 120 n.E.H.

In welcher geistiger Umnachtung habe ich da dem Werben des Waybels nur nachgegeben? Ich kann es zwar nicht ganz glauben, aber der Ring an meiner Hand bezeugt es, ich bin verheiratet!
Aber dann muss ich mich wenigstens nur noch mit einem Mann in meinem Leben herumschlagen, hoffentlich. Und mit dem Mittel des Barbiers sollte der auch zu handhaben sein.
Wo ist eigentlich der Ehevertrag? Nicht, dass ich ihm am Turnierplatz vergessen habe. Na ja, werde ich ihn wohl noch einmal schreiben müssen.

Der Herr Ritter Ulrich hat den dritten Platz beim Turnier belegt. Eine herausragende Leistung wohlgemerkt. Aber ich bin froh, dass es wieder zurück auf die Burg geht, ich muss dringend etwas nachschlagen.

Neunter Tag im Weinmond des Jahres 120 n.E.H.

Ich habe ins Auge des Eynen geblickt!
Was für ein Wunder durfte ich durch dieses technische Meisterwerk sehen! Ich bin immer noch davon derart impressioniert, dass mir die rechten Worte fehlen. Die Venus als Scheibe, eine neues Sternzeichen und etwas, das nur das Auge des Eynen sein kann.
Nach diesem Erlebnis habe ich erstmal einen guten Schluck gebraucht.
Ein anderer Schluck hätte mir beinahe das Leben genommen. Wollte der Tross mich doch mit dem Lotter dem Waybel verheiraten. Ich konnte es noch rechtzeitig verhindern, mit Hilfe des Eynen!
Das Turnier heute war schon ereignisreicher. Viele Lanzen wurden gebrochen, Pfeile verschossen und Schläge auf Köpfe verteilt. Sogar der Knappe hat sich recht gut geschlagen. Allerdings liegt er jetzt darnieder.
Das Erstaunlichste heute war jedoch mein rotbraunes Haar, das laut alchimisten sehr energiereich ist. Eine Essenz daraus brennt schon seit einiger Zeit ohne an Kraft zu verlieren! Das stachelt nur leider den Waybel noch mehr an um mich zu „werben“.
Das Bogenturnier wurde von unserem Veteranen gewonnen, und nachher soll es noch eine Jagd geben. Ich bin gespannt, ob sie wirklich stattfindet.

Achter Tag im Weinmond des Jahres 120 n.E.H.

Das Turnier hat angefanen, aber es sind nur sechs Ritter angetreten. Neben Herrn Ulrich nur unbedeutende Persönlichkeiten.
Das Wetter ist gut, strahlend blauer Himmel, sonnig, etwas frischer Wind. Zum ersten Mal mit dem Gefolge des Ritters unterwegs zu sein erweitert mir erheblich den Horizont. Die Art dieses Horizontes ist mir nur etwas suspekt.
Der Bruder Balthasar hat doch tatsächlich eines der seltenen Teleskope dabei, von denen ich schon gehört habe. Er hat mir erlaubt es heute nach Eintreten der Dunkelheit zu benutzen. Hoffentlich bleibt es wolkenlos. Dann könnte ich sogar die Jupitermonde entdecken.
Die Verpflegung ist gut und viel, aber ich bin auch nichts anderes gewöhnt. Nur so ein Lager in einem Zelt wird nicht gerade meine Lieblingsschlafstelle.