Musketiera-WIP: Die Anfänge – Das Hemd

Es ist 2013, Dascon III ist vorbei und ich habe Zeit mich meiner Musketiera zu widmen. Hier hatte ich ja gesagt, dass ich das für dieses Jahr vorhabe. Mittlerweile hat sie sogar einen Namen:

Honorata

Das Konzept für Honorata war ja eigentlich ein abgeranzter D’Artagnan. Nun, da die ersten Stiche getan wurden, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich bei abgeranzt bleiben kann. Was ich im Moment erreichen will, ist ein eher unscheinbarer Charakter. Aber auch da habe ich meine Zweifel, ob ich das schaffe.  Ich werde auf jeden Fall gedeckte Farben verwenden und versuchen nicht zu viele fancy Sachen einzubauen. Fancy im Sinne von: der Charakter müsste reich sein, um das zu tragen. Aber wie ich mich kenne (und wie das Hemd gezeigt hat), werde ich nicht um fancy Sachen drum herum kommen.
Ich mag fancy Sachen. Und außerdem geben sie den Sachen ein zusätzliches Element, dass die ganze Gewandung noch ambientiger und glaubwürdiger macht. Find ich. Ihr dürft gerne anderer Meinung sein. 😉

Als erstes musste natürlich der richtige Stoff gefunden werden. Da auf meiner To-Do-Liste eigentlich die Hose an erster Stelle steht, habe ich erst nach einem schönen Wollstoff gesucht. Und gefunden. Der Stoff ist ein Traum in rauchblau und total kuschelig. Ich freu mich jetzt schon, ihn zu verarbeiten. (Ich werd ihn auch für ein Überkleid für Danielle verwenden. D.h. dass ich mich doppelt über den Stoff freue 😀 ) Im Zuge dieses Kaufes habe ich auch 2m eines Musselin gekauft. Daraus sollte das Hemd werden (wurde es auch).
Der erste Contag mit Honorata wird zeigen, ob das eine gute Idee war. Der Stoff ist hauchdünn und sehr durchscheinend. Für einige Sachen, die ich mit dem Hemd machen wollte, war das gut, für andere Sachen ist das eher kontraproduktiv. Zum einen wird mich dieses Hemd nicht wärmen und jetzt muss ich mir noch Gedanken um das darunter machen. Ich hab ja sonst nichts zu tun.
Andererseits fühlt sich der Stoff so schön an!

Der nächste Schritt war ein Schnittmuster zu finden. Im Larper.ning gibt es eine Anleitung für ein italienisches Hemd, aber das gefällt mir nicht. Dann bin ich auf diese Seite gestoßen. Die Seite widmet sich zwar eher dem 18. Jhr, aber das Shirt-Schnittmuster ist auch ins 17. Jhr. übertragbar. Jedenfalls in meiner Welt, und im Larp sowieso.

Und dann fand ich noch diese Seite. Das interessante war dabei nicht die Schwarzstickerei, sondern wie die Dame die Ärmel an den Körper „genäht“ hat. Das ist ein sog. Stäbchenstich. Nachdem ich das gesehen habe, musste ich mein Hemd natürlich auch so zusammen nähen. Aber dazu später.

Da der Stoff sehr fein und nicht dicht gewebt ist, musste ich die Ränder aller Schnitteile versäubern, damit sie nicht ausfransen. Ich glaube, deswegen habe ich schlußendlich alles per Hand genäht. Die Nähmaschine hätte den Stoff zu sehr verzogen.

Das wär’s erstmal. Im nächsten Beitrag gibt’s dann auch die ersten Bilder.

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klein-leas persönliche Hölle

Ich bin neu in der Runde und ich fühl mich etwas unwohl. Ich kenne keinen der anderen, ich weiß nur, dass sie aus dem gleichen Grund hier sind wie ich. Oder besser gesagt wegen dem gleichen Problem. Und wir sind alle hier, damit uns vielleicht jemand hilft. Dabei ist uns gar nicht wirklich zu helfen.
Ich schaue mir die anderen etwas genauer an. Auf den ersten Blick sehen alle ziemlioch normal aus. Viele Hausfrauen sind dabei. Aber auch einige junge Mädchen, und sogar ein Mann.
Man schaut mich an, ich soll mich vorstellen. Ich lächel in die Runde, etwas verkrampft, die Runde lächelt zurück. Ich weiß, die andern werden mich verstehen.

„Hallo. Mein Name ist lea und ich bin stoffsüchtig!“

Puh, jetzt ist es heraus, endlich.
Ich sehe wissendes Nicken und höre Gemurmel, das mir sagen soll, ja, wir verstehen dich, du bist nicht allein, wir fühlen das gleiche.
Ich fühle mich aufgenommen.
Ich erzähle vom letzten Sonntag, vom Tag meiner persönlichen Hölle, die doch so sehr nach Paradies aussieht.
Letzten Sonntag war Stoffmarkt in meiner Stadt, holländischer Stoffmarkt (oder sollte ich besser hölländischer Stoffmarkt sagen?). Ich schwelge kurz in der Erinnerung bevor ich fortfahre.
Soviele Stoffe, aus jeglichem Material, in jeglicher Preislage. Wunderschöne Muster und Farben. Ich erinnere mich an das Gefühl unter meinen Fingern als meine Hand über die Ballen entlang geglitten ist. Das mache ich am liebsten. Fast überall sehe ich etwas, das mir gefällt und Ideen fangen an sich in meinem Kopf zu formen. Wollte ich nicht schon lange diesen eine Rock nähen und wäre dieser eine Karostoff nicht perfekt dafür? Oder dieses schöne Stück bedruckter Köper, daraus könnte man super eine Jacke schneidern, beim anderen Stand habe ich die passenden Knöpfe gesehen. Und für den Preis muss ich diesen Feincord einfach mitnehmen.
Ich fange an zu schwärmen. Von den Wollstoffen, den Seidenstoffen, den Mustern, den Knöpfen. Ich zähle meine Einkäufe auf und was ich daraus machen will. Ich zähle die Stoffe auf, für die ich kein Geld mehr hatte. Ich frage mich, wann ich das alles nähen soll. Ich habe das Gefühl, das in meiner Wohnung mehr unverbrauchter Stoff liegt als genähte Sachen. Aber ich kann nicht aufhören, Stoffe ziehen mich magisch an, ich muss sie haben, ich liebe sie, ich kann nicht mehr ohne. Manchmal kaufe ich mir Stoffe, obwohl ich nicht weiß, was ich aus ihnen nähen soll.
Der Stoffmarkt ist Hölle und Paradies zugleich.
Aber ich weiß, wenn er das nächste Mal in der Stadt ist, werde ich wieder hingehen.

Meine Ausbeute, eher bescheiden diesmal, ich hätte noch ein, zwei Stoffe mehr kaufen können: braun-violetter-gelb gesprenkelter Woll-Baumwoll-Stoff für ein Überkleid, passendes Garn, rote Schnur für Schnürung eines Mieders und dunkelblaugestreifter Stoff mit schwarzem Muster für ein Geschenk einer Freundin