Wie man ein Wochenende verbringt

Früher Feierabend, Bundhaube, müde, trotzdem weggehen, SC spielt, kein Lokal finden, doofes Lokal finden, Apfel-Holunder-Saft, sich ärgern, doch noch schönes Lokal finden, Neuer Süßer und Zwiebelkuchen, nach Hause, essen, schlafen, dekadent frühstücken im Café unten im Haus, Probeteil für Überkleid ausschneiden und nähen, nicht anpassen können, Knöpfe aussuchen und daran verzweifeln, Merlin, ungesunde Sachen essen, mitternächtliches Skypegespräch, schlafen, aufwachen, keine Brötchen beim Bäcker bekommen, merken, dass ein Croissant nicht satt macht, Bananenshake, neue Kappe basteln, Papa zurechtweisen, zum Kaffee und Kuchen ins Hotel Oberlinden fahren, schönes Wetter, wieder zurückfahren, noch ein bißchen nähen, True Blood gucken und für seltsam befinden, ins Bett.

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Feierabend ist, wenn ich schlafe

Im Moment sieht meine Wohnung aus wie ein Schlachtfeld. Überall Zeug, und in der Küche stapelt sich dreckiges Geschirr. Wann ich das letzte Mal Staub gesaugt habe, habe ich vergessen.

Aber es gibt eine gute Erklärung, ich bin nämlich rund um die Uhr am Arbeiten. Tagsüber auf der Arbeit, und Zuhause an der Gewandung für Elena (siehe: Elena Fredo).
Ich hatte mir wunderschöne zwei Monate Zeit gegeben für zwei Kleider, eine Kopfbedeckung, evtl. eine Gugel und mal gucken, was ich sonst noch so bräuchte. Zwei Monate schienen mir genug Zeit. Das bißchen nähen würde ja nicht soviel sein.
Inzwischen frage ich mich, ob ich jemals ein vernünftiges Zeitgefühl für solche Arbeiten entwickeln werde.
Denn irgendwie wird die Arbeit nie weniger.

Meine Abende sind verplant, meine Wochenenden sind verplant, ich habe keine Freizeit mehr. Jede freie Minute wird genäht. Feierabend, was ist das? Körper, warum brauchst du so viele Stunden Schlaf? Warum habe ich keine Kaffeemaschine zuhause? Kann nicht bald wieder Wochenende sein, damit ich was geschafft bekomme?

Aber Nähen macht ja Spaß, oder? Oder?

Lustigerweise machen mir Handnähte viel mehr Spaß als Maschinennähte (deshalb sticke ich wohl auch so gerne). Das ist so schön meditierend und nebenher kann man Filme gucken. Bei Machinennähten ist die Maschine laut, zickt manchmal rum (ja, auch meine heißgeliebte Pfaff, ist halt schon etwas älter) und einige Sachen gehen mit der halt doch nicht. Wie unsichtbare Nähte zum Beispiel.

Nur, Handnähte sind ziemlich zeitraubend. Da dauert etwas, das man eigentlich an einem Abend fertig stellen wollte, glatt mal die doppelte Zeit. Deshalb ist das Unterkleid immer noch nicht fertig, und ich fange an mich zu fragen, ob ich das alles schaffen werde, was ich mir vorgenommen habe (eher nicht) bzw. alles wichtige schaffe (alle Kleidungsstücke fertig, Stickereien müssen dann warten, obwohl ich ja Stickereien liebe).
Meine Taktik dabei ist, ich ignoriere einfach, dass ich gar nicht mehr soviel Zeit habe und arbeite einfach Schritt für Schritt oder besser Stich für Stich weiter.
Immerhin bin ich so zu wunderschönen Ärmeln gekommen:

Und der Beleg im Detail weil ich so stolz drauf bin:

Mein soziales Leben leidet Gott sei Dank noch nicht darunter. Da achte ich aber auch drauf. Soziales Leben ist für mich eine meiner Prioritäten in meinem Leben.
Was wäre ich ohne meine Freunde? Nicht halb so viel, das ist sicher.

Letzten Samstag hatte ich Lust auf Video gucken und dabei nähen. Spontan habe ich das einem Freund per Skype mitgeteilt, der meinte nur, komm rüber. Ich also meine Sachen gepackt und bin los. Um zehn war ich da. Zu dritt haben wir dann „Spiel mir das Lied vom Tod“ (Eigentlich ein ziemlich cooler Film, man muss sich nur an das Erzähltempo gewöhnen.) geguckt und ich hab schön genäht. Immerhin habe ich die Ärmel an dem Abend fertig stellen können.
Am nächsten Morgen (ich hab da dann gleich übernachtet) gab es dann Frühstück im Hotel Oberlinden. Ach, ich liebe es. Und da das Wetter so gut war, bin ich dann doch noch auf den Schloßbergturm mitgekommen anstatt nach Hause in meine dunkle Wohnung zu fahren und am Kleid weiterzunähen. Im Endeffekt war das die richtige Entscheidung, denn, wenn der Satz auch ziemlich abgedroschen klingt, man lebt doch nur einmal und dieser Tag wäre so nie wieder gekommen. Das muss man einfach ausnutzen. Auch wenn das Kleid dann doch nicht an dem Wochenende fertig geworden ist.
Soziales Leben toppt Nähen.